Neulich war ich an einem Sonntag in Torrskog, bei Hajo am Grab. Es war sonniges, schönes Herbstwetter. Ich hatte den VW-Multivan dabei und machte es mir nach dem Besuch vor der Kirche bequem.

Nicht weit entfernt, am Parkplatz, stehen eine Wanderkarte und ein Holztisch mit Bänken. Dort kochte ich Kaffee und bereitete meine Fika vor. Apfelkuchen hatte ich auch dabei.

Plötzlich hupte oben an der Straße ein rotes Auto. Darin saßen Bekannte aus Dals Långed, die ich vor einiger Zeit kennengelernt hatte. Ich winkte sie herunter und lud sie zum Kaffee ein. Zum Glück war der Kuchen groß genug für alle.

Sie waren auf dem Weg zum Pilzesammeln. Aus der gemeinsamen Fika wurde eine Einladung: Ob ich nicht mitkommen wollte? Also ließ ich den Bus stehen und stieg in ihr Auto.

Fünfzehn Stellen und ein anderer Blick

Wir fuhren ihre ungefähr fünfzehn Pilzsammelstellen ab. Was mich dabei wirklich erstaunte, war nicht nur, wie gut sie sich auskannten. Es war die Geschwindigkeit, mit der sie etwas erkannten.

Für mich zog draußen zunächst einfach Landschaft vorbei. Bäume, Waldränder, Grün- und Brauntöne, die sich im Fahren vermischten. Für sie schien das Bild sehr viel genauer zu sein. Immer wieder hielten wir an, manchmal nur kurz, manchmal länger, stiegen aus und sammelten Pilze.

Steinpilze, Maronen und Pfifferlinge konnte ich einordnen. Andere kannte ich nicht. Meine Begleiter_innen waren dagegen erfahrene Pilzkenner_innen. Sie wussten, wonach sie suchten, und fanden in dem, was für mich noch ein unübersichtliches Bild war, offenbar die entscheidenden Hinweise.

Ich konnte nicht sagen, was sie jeweils schon vom Auto aus gesehen hatten: einen Pilz, eine vielversprechende Stelle oder etwas, das ihnen von früheren Besuchen vertraut war. Wahrscheinlich kamen mehrere Dinge zusammen. Aber der Unterschied zwischen ihrem Blick und meinem war unübersehbar.

Muster erkennen, wo andere nur Farben sehen

Mich beschäftigte diese Mustererkennung noch lange nach unserem Ausflug.

Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht erst jeden Baum, jeden Schatten und jede Unebenheit einzeln betrachten mussten. Sie erkannten etwas in der Landschaft, das für mich noch nicht hervortrat. Wo ich Grün und Braun sah, sahen sie Unterschiede, Anhaltspunkte und Möglichkeiten.

Die Familie lebt im Autismusspektrum. Sie hatten einen Blick für Pilze entwickelt, den ich nicht hatte. Und sie ließen mich daran teilhaben.

Für mich bekam der Wald dadurch mehr Konturen. Ich konnte ihre Wahrnehmung nicht einfach übernehmen. Aber ich begann, genauer hinzuschauen – und bemerkte zugleich, wie viel mir zuvor entgangen war.

Gemeinsam suchen

Pilzesammeln war für sie nicht nur eine Möglichkeit, etwas Essbares nach Hause zu bringen. Es war ihre Art, miteinander Zeit zu verbringen, Beziehung zu leben und sich zu entspannen.

Das mochte ich an diesem Nachmittag besonders. Wir mussten kein großes Programm vereinbaren. Wir fuhren, hielten an, gingen in den Wald und suchten. Das gemeinsame Tun gab dem Zusammensein einen Rhythmus.

Aus einer zufälligen Begegnung an der Straße war ein ganzer Nachmittag geworden. Erst hatte ich sie an meinen Kaffeetisch eingeladen. Dann nahmen sie mich mit an ihre Pilzstellen und teilten ihr Wissen mit mir.

Ein voller Kofferraum

Am Ende war der Kofferraum voller Pilze. Ich hatte für mehrere Tage etwas zum Kochen, fror einen Teil ein und trocknete den Rest.

„Dieses Jahr ist ein absolutes Pilzjahr“, stellten wir gemeinsam fest. Für uns fühlte es sich nach diesem Ausflug jedenfalls so an.

Ich war am Morgen nach Torrskog gefahren, um Hajo am Grab zu besuchen. Dass ich später in einem anderen Auto sitzen, mit Bekannten durch die Wälder fahren und mit so vielen Pilzen zurückkommen würde, hatte ich nicht geplant.

Geblieben sind mir nicht nur die Pilze. Geblieben ist vor allem die Erinnerung an diesen Unterschied im Sehen: Dieselbe Landschaft zog an uns vorbei – und doch sahen wir nicht dasselbe.


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