Andreas & Hajo

Anlässlich seiner zweiten Krebserkrankung haben sein Partner und er entschieden, ihr seit langem für die Rentenzeit geplantes Projekt vorzuziehen, nämlich eine weitere Lebensphase in Schweden auf dem Land zu beginnen.



Andreas

Andreas ist promovierter Soziologe und hat Erfahrungen als Wissenschaftler, Programverantwortlicher und Betriebsrat in einer internationalen Organisation sammeln können.

Er interessiert sich sehr für Industriegeschichte, Geschichte der Arbeit und verwandte Themenfelder. Damit hat er sich als Doktor der Soziologie viele Jahre lang auseinandergesetzt und möchte jetzt sein Wissen und seine Erfahrungen mit anderen teilen.

Andreas ist auch in Visual Recording ausgebildet. Dabei werden die Inhalte und Diskussionen in den Seminaren graphisch gedeutet und festgehalten.

Durch das zur Sprache komplementäre Medium Bild eröffnen sich dabei neue Perspektiven; die entstandene Graphik ist sowohl Anlass als auch ein Medium, die Veranstaltung Revue passieren zu lassen.

Mehr über Andreas findest Du in seinem LinkedIn Profil


Hajo

Es gibt drei Themenbereiche, die Hajo durch sein Leben begleiten:

Das erste ist die Frage nach dem, was er (und vermutlich auch andere Lebewesen) als Welt wahrnehmen, wie sich Wirklichkeit in der Wahrnehmung manifestiert. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Erfahrung, als autistischer Mensch in zwei grundsätzlich verschiedenen Wahrnehmungen und damit auch Welten verwurzelt zu sein.

Vertieft hat er dies durch ein Studium der Mathematik und einer jahrzehntelangen intensiven Beschäftigung mit buddhistischen Lehren, Platon, Wissenschaftsphilosophie und -geschichte, sowie mit Psychologie, insbesondere auch mit Jacques Lacan und anderen strukturalistischen Denkern (alle männlich :-/). Insbesondere aber auch durch seine Beschäftigung mit vielen hundert autistischen Menschen, mit denen er zusammen auf Entdeckungsreise ging, was das eigene Denken und Wahrnehmen angeht.

Das zweite ist sein Interesse an Menschen, insbesondere denen, die in Hinblick auf ihre Art und Weise wahrzunehmen und zu denken nicht zum „Mainstream“ heutiger Gesellschaften passen. Er hat annähernd zehn Jahre lang in der Behindertenhilfe gearbeitet mit einem Schwerpunkt auf schwerst-mehrfach behinderte Menschen und hat dabei viel über menschliches Wahrnehmen und Denken, sowie auch Kommunikation gelernt. Kurz nach der Jahrtausendwende begann er, sich in der Selbsthilfe autistischer Menschen zu engagieren und hat zusammen mit anderen autistischen Menschen das Thema „autistische Fähigkeiten“ sozusagen vorangebracht. Er hat am Fachbereich Rehabilitationspädagogik der Uni Halle-Wittenberg eine Dissertation über Autismus aus einer lebensweltlichen Perspektive geschrieben: Autistisches Erleben.

Als drittes Thema ist sein Interesse an Kunst, insbesondere der Malerei – aber auch am Schreiben – zu nennen. In der Malerei fasziniert ihn die Kommunikation mit einer physikalischen Welt, seien es verschiedene Materialien, etwa Wasser, oder Medien wie etwa Pinsel, Federn oder andere Relikte. Am Schreiben fasziniert ihn die Biographiearbeit, die er damit in Gang setzen kann. Die Sprache ermöglicht eine Fülle von Reflexionen an verschiedenen Geschichten der eigenen Biographie und die Buchstaben verwandeln sich im Text auf wunderbare Weise in Spiegel, in denen er sich in unterschiedlichen Zeiten und sogar in alternativen Wirklichkeiten widerspiegeln kann.