Beim Handwerkstag in Gammelgården auf dem Majberget in Bengtsfors gab es nicht nur alte Techniken zu entdecken. Ich traf auch einige Menschen wieder, die ich aus ganz anderen Zusammenhängen kenne. Zwischen Schindelmaschine, Holztransport und Kochen über dem Feuer wurde für mich sichtbar, wie eng Handwerk, Ortsgeschichte und das heutige Leben miteinander verbunden sein können.

An der Schindelmaschine begegnete ich meinem Baggerführer. Bei mir hatte er den Graben für die Abwasserleitung ausgehoben und die großen Steine aus dem Boden geholt. Nun traf ich ihn in einem ganz anderen Arbeitszusammenhang wieder.

Auch ein weiterer Mitsänger aus meinem Chor „Song of Joy“ war dabei. Er gehört hier zum Vorstand von Gammelgården. Und ein Vorstandsmitglied des Mustadfors Folkets Hus stand am Schwenkgrill und bereitete Pfannkuchen mit Speck zu. Solche Begegnungen mag ich: Menschen, die ich vom Chor, von einer Baustelle oder aus dem Kulturleben kenne, zeigen plötzlich noch eine andere Seite.

Aus einem Holzstück wird ein Dach

An der Schindelmaschine konnte ich sehen, wie aus Holz dünne Stücke für eine Dacheindeckung entstehen. Bei solchen Dachschindeln kommt es schon auf die Auswahl des Materials an: Gerade gewachsenes Holz und ein geeigneter Faserverlauf erleichtern die Herstellung. Verwendet wurden unter anderem Kiefer, Fichte und Espe.

Die Maschine hobelt dünne Schindeln von vorbereiteten Holzstücken ab. Das geht schneller als das Spalten von Hand, verändert aber auch das Material: Beim Hobeln werden Holzfasern durchschnitten. Die Denkmalpflege unterscheidet deshalb zwischen gehobelten, gespaltenen und gesägten Schindeln – nicht nur nach ihrem Aussehen, sondern auch nach Herstellungsweise und Haltbarkeit.

Was am Ende als fertiges Dach erscheint, beginnt also mit vielen einzelnen Entscheidungen und Arbeitsschritten.

Teer aus Holz

Ich sah auch, wie Teer aus Holz gewonnen wird. Dabei wird harzreiches Holz – traditionell vor allem Kiefernholz – unter begrenzter Sauerstoffzufuhr erhitzt. In einer traditionellen Teergrube, einer „tjärdal“, werden kleine Holzstücke dicht aufgeschichtet und mit Grassoden abgedeckt, sodass sich die Luftzufuhr regulieren lässt. Die Hitze setzt den Teer frei, der nach unten fließt und aufgefangen wird.

Teerherstellung bedeutete deshalb nicht einfach, ein Feuer anzuzünden: Das geeignete Holz musste beschafft, zerkleinert und sorgfältig angeordnet werden; anschließend musste der Prozess kontrolliert werden.

Mich interessierte besonders die Verbindung zur Schindelherstellung. Holz liefert nicht nur das Material für das Dach, sondern auch ein Mittel zu dessen Pflege: Holzteer kann zur Behandlung von Dachschindeln verwendet werden. Zwei Vorführungen, die zunächst getrennt wirken, gehören damit zu einer gemeinsamen Geschichte des Bauens und Erhaltens.

Holz aus dem Wald – mit Pferden statt Forstmaschinen

Eine weitere Vorführung zeigte, wie Holz mit Pferden aus dem Wald geholt wurde. Dabei bekam ich einen Eindruck davon, wie mühsam der Transport gewesen sein musste, bevor moderne Maschinen diese Arbeit übernahmen.

Pferde spielten in der schwedischen Forstwirtschaft noch bis weit ins 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Besonders im Winter zogen sie Holz auf Schlitten zu Lagerplätzen oder an Wasserläufe. Von dort konnte es mit dem Frühjahrshochwasser weitertransportiert werden. Erst in den 1950er- und 1960er-Jahren veränderten Motorsägen, Traktoren und Forstmaschinen die Arbeit grundlegend.

Kräftiges Essen für lange Tage im Wald

Am Schwenkgrill bereitete Roger, Vorstandsmitglied des Mustadfors Folkets Hus „Kolbulle“, eine traditionelle Waldarbeitermahlzeit: ein einfacher Teig aus Wasser, Mehl und Salz, der mit gesalzenem Schweinefleisch in der Pfanne über offenem Feuer gebraten wird. Anders als viele andere Pfannkuchen kommt er ohne Eier und Milch aus.

Gerade das machte dieses Essen für Menschen geeignet, die längere Zeit in Waldhütten lebten und keinen Zugang zu frischen Zutaten hatten. Mehl, Salz und haltbar gemachtes Fleisch ließen sich mitnehmen und lagern. Zugleich lieferte die fettreiche Mahlzeit Energie für die schwere Arbeit von Waldarbeitern und Köhlern.

So bekam auch das Essen an diesem Tag einen historischen Zusammenhang. Es war nicht bloß Verpflegung zwischen den Vorführungen, sondern führte zu der Frage, wie Menschen ihren Alltag unter diesen Arbeitsbedingungen organisierten.

Woher das schwedische Rot kommt

Ich sah außerdem, wie die rote Farbe hergestellt wurde, die wir als „Falu Rödfärg“ kennen, das typische rot, dass hier die Kulisse dominiert. Bei der Vorführung wurde daraus etwas sehr Konkretes: Farbe ist nicht einfach fertig in einem Eimer vorhanden, sondern entsteht aus Rohstoffen und einem Verfahren.

Das Pigment der originalen Falu Rödfärg stammt aus verwittertem, kupferarmem Erz der Grube in Falun. Das feine Material wird ausgewaschen, abgesetzt, getrocknet und gebrannt. Dabei entsteht die charakteristische rote Farbe des Eisenoxids; die Brenntemperatur beeinflusst den Farbton.

Für die traditionelle Farbe wird das Pigment mit weiteren Zutaten wie Wasser, Mehl und Leinöl verarbeitet. Die Geschichte der roten Farbe reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück; die eigentliche Pigmentproduktion in Falun begann 1764.

Die Vorführung in Gammelgården zeigte mir damit auch eine Verbindung zwischen Bergbau und Holzbau. Hinter dem vertrauten Rot schwedischer Häuser steckt eine Materialgeschichte, die weit über das Streichen einer Fassade hinausgeht.

Geschichte, die Menschen weitertragen

Was mir von diesem Besuch besonders geblieben ist, sind die Menschen zwischen den Vorführungen: mein Baggerführer an der Schindelmaschine, mein Mitsänger im Vorstand von Gammelgården und der Vorstand des Folkets Hus beim Kochen.

Die alten Techniken standen hier nicht für sich allein. Sie wurden von Menschen gezeigt, die zugleich im heutigen Leben des Ortes aktiv sind. Für mich machte gerade das den Tag interessant. Geschichte war nicht nur in den Gebäuden und Werkzeugen zu finden, sondern auch im Wissen und Können derjenigen, die sich darum kümmern.

Ich ging mit einem genaueren Blick auf Dinge nach Hause, die sonst leicht selbstverständlich wirken: ein Holzdach, ein rotes Haus, ein Stapel gefällter Stämme – und eine kräftige Mahlzeit nach getaner Arbeit.


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