Konstvandring i Dalsland ist ein jährlich zu Christi Himmelfahrt stattfindender „Rundgang zur Kunst“, bei dem Künstler:innen und Kunsthandwerker:innen ihre Ateliers und Werkstätten in ganz Dalsland für Besucher:innen öffnen. Über vier Tage hinweg kann man durch die Frühsommerlandschaft fahren, anhalten, eintreten, sprechen, schauen – und dabei sehr unterschiedliche Positionen von Malerei über Skulptur bis Keramik kennenlernen.[konstvandring]

Andreas mit Beate und Lars, die gerade zu Besuch im Dalslands Studio sind – steigen an einem sonnigen Vormittag ins Auto und folgen der kleinen, gelben Konstvandring-Karte, die über Nummern die Ateliers im ganzen Gebiet markiert. Die Türen sind zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet, und es fühlt sich an, als würde das ganze Dalsland für ein Wochenende zu einem großen, dezentralen Ausstellungsraum.
Erster Halt ist Lennart Calås, Skulptör und Formgeber, dessen Holzskulpturen – oft Tiere, immer präzise gearbeitet – die lange Tradition des nordischen Holzhandwerks mit einer sehr eigenen, humorvollen Formensprache verbinden. Für uns ist spannend, wie klar hier Handwerk, Materialwissen und Kunst zusammenfallen und wie selbstverständlich Lennart sich in der regionalen Szene als „Holzstimme“ Dalslands positioniert. Sie laden uns zum Kaffee und Fikabröd ein und erzählen aus ihrem langen Leben. Sie sind beide weit über 80.

Bei Viktoria Salma betreten wir eine ganz andere Welt: Fotografien, Objekte und 3D-Polaroids, die Spiritualität, Natur und innere Bildräume miteinander verweben. Ihre Arbeiten stehen näher an konzeptueller Foto- und Installationskunst und bringen eine meditative, reflektierende Ebene in eine ansonsten stark vom Handwerk geprägte Rundgangslandschaft.
Weiter geht es zu Lars‑Göran Abrahamsson, dessen Atelier in der Landschaft verankert ist und dessen Malerei Motive aus Region und Alltag in eine sehr persönliche Bildsprache übersetzt. Hier wird deutlich, wie wichtig die „Konstvandring“ als Plattform ist, um solche kontinuierlichen, oft eher leise arbeitenden Künstler sichtbar zu machen – für Nachbar:innen ebenso wie für Besucher:innen von außerhalb.
Bei Tamar Henriksson Schäfte treffen wir auf eine Praxis, die zwischen Kunst und Handwerk oszilliert und exemplarisch für viele der Ateliers steht, in denen Materialexperimente, Alltagsbezug und persönliche Erzählungen ineinandergreifen. In der direkten Begegnung – kurze Gespräche, der Blick auf den Arbeitstisch, Skizzen an der Wand – wird spürbar, wie sehr diese Kunst auf Nähe und Austausch angelegt ist.

Schließlich kommen wir zu Tina Reuterberg, Keramikerin, deren Gefäße und skulpturale Keramikformen klar in der zeitgenössischen Studio-Ceramics verortet sind. Ihre Präsenz in nationalen Keramikzusammenhängen macht sichtbar, wie eng die regionale „Konstvandring“ mit der größeren Szene der Keramikkunst verbunden ist – es fühlt sich an wie ein Knotenpunkt zwischen Dorfstraße, Werkstatt und international informierter Praxis.
Am Ende des Tages kehren wir mit Karten, Katalogen und ein paar sorgfältig eingepackten Arbeiten ins Dalslands Studio zurück – und mit dem Gefühl, dass „Konstvandring i Dalsland“ nicht nur eine Ausstellung auf viele Orte verteilt, sondern ein lebendiges Netzwerk von Menschen, Materialien und Geschichten erfahrbar macht.

Auf der Rückreise begleitete Andreas Beate und Lars noch bis Uddevalla – um dort die Reise im Bohusläns Museum zu unterbrechen und sich zum Abschied noch einmal von der Kunst überraschen zu lassen.
„21 Degrees“, die Examensausstellung der Bachelor- und Masterstudierenden von HDK-Valand Campus Steneby/Dals Langed in Metallgestaltung und möbelorientiertem Holzdesign, fühlt sich an wie ein komprimiertes Echo der vergangenen Tage: Material, Körper, Raum – aber diesmal in der konzentrierten Form von 21 Abschlussprojekten. Zwischen Metallobjekten, Möbelprototypen und installativen Arbeiten bewegen wir uns wie durch ein gemeinsames Labor, in dem Fragen nach Zusammenleben, Nachhaltigkeit und Alltagsszenarien in Material übersetzt werden.

Für uns, die gerade noch in Werkstätten zwischen Sägespänen, Skizzen und langen Gesprächen standen, haben diese Projekte etwas Berührendes: Man spürt, wie viel Zeit, Zweifel und Entschlossenheit in jede Arbeit eingeflossen sind. „21 Degrees“ markiert einen Moment des Dazwischen – ein Abschied von der Studienzeit und der erste Schritt in eigenständige künstlerische und gestalterische Praxen, die von Steneby und Dalsland aus in die Welt hinausführen.
