Am 16. August haben wir, der Chor „Song of Joy“, mit dem Gitarristen Emil Ernebro nochmals das Programm Unforgettable vom April 2026 aufgeführt. Unser Auftrittort war der Folkparken Valhall in Bengtsfors. Auf der Fahrt nach Bengtsfors, mit Lautsprechern, Kabeln, Mikrofonständern und weiterem Konzertequipment im Auto, setzte sich für mich ein Gedanke fort, der schon mit der Geschichte von Katrineholm und Mustadfors begonnen hatte. Orte verändern ihre Namen, Fabriken verschwinden, Verkehrswege verbinden Dörfer und Städte neu miteinander. Doch manche Gebäude und Plätze bleiben – oder bleiben nur deshalb, weil Menschen sich immer wieder entscheiden, sie mit Leben zu füllen.

Ein Park für viele
Der Folkparken Valhall wurde 1929 gegründet. Hinter seiner Entstehung standen die Bengtsfors Arbetarekommun, der örtliche Sportverein und die Folkets-Hus-Vereinigung. In den ersten Jahren bestand der Platz lediglich aus einer einfachen Tanzfläche und einem kleineren Servicegebäude. Erst nach und nach entwickelte sich daraus ein größerer Veranstaltungsort.
Diese Entstehungsgeschichte erinnert an das Folkets Hus in Mustadfors, unterscheidet sich aber auch davon. Das Folkets Hus ist ein Haus: ein geschützter Raum mit Saal, Nebenräumen und Bühne. Der Folkets Park dagegen ist zunächst eine Freiluftidee. Er verbindet Unterhaltung, Musik und Tanz mit Sommer, Bewegung, Begegnung und dem Gefühl, dass Kultur nicht nur in abgeschlossenen Räumen stattfinden muss.
Die schwedischen Folkets Parks entstanden, ähnlich wie die Folkets Hus, aus der Arbeiterbewegung und der lokalen Vereinswelt. Sie sollten erschwingliche Orte der Erholung und Gemeinschaft sein. Wer tagsüber arbeitete, sollte am Abend oder Wochenende Zugang zu Musik, Tanz, Theater, Vorträgen und Festen haben. Volkspark bedeutete dabei nicht „Park“ im rein landschaftlichen Sinn, sondern einen Ort für Öffentlichkeit: einen Raum, in dem sich eine Gesellschaft begegnet, jenseits von Arbeitsplatz und privatem Zuhause.
In Bengtsfors spielte Valhall über Jahrzehnte genau diese Rolle. Dort traten bekannte schwedische und internationale Künstler auf, darunter Paul Anka, Jerry Williams, Magnus Uggla und Lill-Babs. Zu Zeiten seiner größten Popularität zog der Park Besucherinnen und Besucher aus einem weiten Teil Westschwedens an.
Ein Ort mit offener Zukunft
Heute kann man diese Geschichte nicht einfach fortschreiben. Der Betrieb eines alten Folkets Park kostet Geld, braucht ehrenamtliches Engagement, Veranstaltungen, Publikum und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Inzwischen gibt es Initiativen, die sich dafür einsetzen, den Ort zu erhalten und seine Zukunft neu zu denken.
Das verweist auf eine Erfahrung, die viele kleinere Orte kennen: Kulturelle Infrastruktur bleibt nicht einfach bestehen, nur weil sie einmal gebaut wurde. Sie muss immer wieder neu angeeignet werden. Ein Park, eine Bühne oder ein Saal kann leer wirken, wenn dort nichts geschieht. Sobald aber Menschen proben, Tische aufstellen, Licht einrichten, Kaffee kochen, Eintrittskarten verkaufen, auftreten und zuhören, entsteht wieder das, was ein solcher Ort sein kann: ein gemeinsamer Raum.
Auf hier gilt wieder: wenn Industrie verschwindet, gehen Arbeitsplätze verloren – aber auch vertraute Zeitstrukturen, Wissen, Begegnungen und lokale Selbstverständlichkeiten. Kultur kann diese Verluste nicht ausgleichen. Sie ersetzt weder Einkommen noch soziale Sicherheit. Aber sie kann Räume offen halten, in denen Menschen sich weiterhin als Teil eines Ortes erleben.
Das Konzert: Song of Joy & Emil Ernebro

Für das Programm Unforgettable arbeitete Song of Joy mit dem Gitarristen Emil Ernebro zusammen, der selbst aus Bengtsfors stammt. Dass ein Musiker aus dem Ort als Gastsolist zurückkehrt, gibt dem Konzert auch hier eine eigene lokale Note.
Wir ihr wisst singe ich im Bass mit. Für mich ist das inzwischen eine besondere Form des Ankommens in Dalsland: nicht nur Zuschauer zu sein, der etwas über die Geschichte eines Ortes erfährt, sondern in einem Chor mitzuwirken, Technik aufzubauen, vor einem Konzert noch einmal die Abläufe durchzugehen und schließlich selbst Teil des Klanges zu werden.
Als Bass singe ich im Chor meist nicht die Melodie, die im Vordergrund steht. Die Bassstimme trägt etwas anderes bei: Fundament, Richtung, manchmal einen Gegenpol. Sie ist nicht immer deutlich hörbar, aber ohne sie verändert sich der Gesamtklang. Diese Erfahrung gefällt mir. Ein Chor ist eine Form von Zusammenarbeit, in der jede Stimme begrenzt ist und dennoch das Ganze verändert.
Ein Konzert hat seine eigenen Produktionsbedingungen. Auch hier braucht es Koordination: Probenzeiten, Einsätze, Stimmen, Tonarten, Technik, Anfahrtswege und einen Ablaufplan. Aber am Ende genügt Organisation allein nicht. Musik entsteht erst, wenn Menschen an einem Ort zusammenkommen und ihre Zeit teilen.
Der Folkparken Valhall ist also nicht bloß ein Veranstaltungsort in Bengtsfors. Er ist ein Raum, in dem sich unterschiedliche Zeiten überlagern: die Geschichte der Arbeiterbewegung, frühere Tanzabende und Konzerte, die Erinnerungen an große Künstler, die gegenwärtige Sorge um die Zukunft des Parks – und jetzt ein Chor, ein Gitarrist, ein Publikum und ein Abend mit Liedern, die vielleicht noch lange nachklingen.
Seit Ende August proben wir für das Weihnachtsprogramm, welches am Samstag, 21. November, 18:00 Uhr und Sonntag, 22. November, 16:00 Uhr in der Kulturbruket Mellerud stattfinden wird.
