Am 12. September war wieder Byafest in Dals Långed. Für mich ist das jedes Jahr ein besonderer Tag: Menschen öffnen ihre Türen, organisieren etwas, machen Musik und schaffen Gelegenheiten, einander zu begegnen. Dieses Mal begann der Tag für mich im Dalslands Studio – und endete mit einer Schallplatte, die ich morgens ganz sicher noch nicht auf meiner Einkaufsliste hatte.

Flohmarkt, Fika und zwei Ukulelekonzerte

Bei schönem Wetter war auf dem ÖA-Loppis viel los. Auch zu unserer Fika im Dalslands Studio kamen viele Besucherinnen und Besucher, darunter zahlreiche Student_innen. Besonders gut besucht waren die beiden Ukulelekonzerte.

Es war schön, das Studio an diesem Tag so belebt zu erleben. Zwischen Flohmarkt, Kaffee und Musik kamen Menschen zusammen, und wir waren mittendrin. Wenn man selbst etwas organisiert, erlebt man ein Fest anders als beim bloßen Vorbeischauen: Es gibt einiges zu tun, und gleichzeitig bekommt man unmittelbar mit, wie das eigene Angebot angenommen wird. Die vielen Gäste und das Interesse an den Konzerten haben mich sehr gefreut.

Unterwegs durch Dals Långed

Nachdem wir die Fika und den Loppis geschlossen hatten, konnte ich selbst noch eine Runde zu den anderen Veranstaltungen im Ort machen.

Genau das mag ich am Byafest: Es gibt nicht nur einen zentralen Festplatz. Viele Beteiligte gestalten ihre eigenen Aktivitäten, und zusammen entsteht ein Programm, das sich über den Ort verteilt. Die lokale Initiative, welche diesen Tag jedes Jahr organisiert, beschreibt das als einen Tag von den Menschen in Dals Långed für die Menschen in Dals Långed – offen für alle, die etwas beitragen möchten.

Für mich wurde aus dem Gastgeber damit am Nachmittag ein Besucher. Nach unserem eigenen Programm war es schön, zu sehen, was andernorts vorbereitet worden war, und den Ort noch einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben.

BRUK: viele Klangwelten in den alten Fabrikhallen

Am Abend ging es weiter zu BRUK in Långedsverken. Die Vielfalt des Programms hat mich fasziniert. In den ehemaligen Fabrikhallen kamen sehr unterschiedliche musikalische und künstlerische Ansätze zusammen. Vier eigens gestaltete Spielorte boten Raum für Folk, Jazz, räumliche Klangexperimente und eine Installation. Nach Angaben des veranstaltenden Vereins Långedprojektet kamen knapp 270 Gäste – ein Besucherrekord.

Zum Programm gehörten:

  • Stina Huldén und Olov „Klyv-Olle“ Lindroth: Nordische Volksmusik mit Saxofonen, Klavier und Tretorgel. Das Duo erkundet traditionelle Melodien in einem spielerischen Zusammenspiel – zwischen lebhaftem Schwung und ruhigen, nachdenklichen Passagen.
  • Ljudhavet: Ein immersives Konzertprogramm mit einem „Lautsprecherorchester“. Musik, die ursprünglich für andere Bühnen- und Kunstzusammenhänge entstanden war, wurde in der Architektur von Långedsverken neu angeordnet. Dabei wurde der Raum selbst zum Bestandteil des Hörerlebnisses.
  • Liv Hansen – „Ebb och Flod“: Kein Konzert im engeren Sinn, sondern eine Installation aus bestickter transparenter Seide und Filmprojektionen. Ausgangspunkt war Hansens körperliche Erfahrung des Wassers im Kanal: seine Bewegung, seine Stimme und die Frage, wie sich eine solche Erfahrung ohne Worte vermitteln lässt.
  • Andreas Hellkvist – „Quadraphonic“: Eine Hammondorgel im Zentrum und vier Leslie-Lautsprecher rundherum. Die Anordnung macht den Raum zum Teil des Instruments; das Publikum kann sich bewegen und den Klang aus unterschiedlichen Positionen erleben.
  • Fartyg 4: Zeitgenössischer Jazz zwischen Komposition und Improvisation, mit Matilda Andersson am Gesang, Daniel Gahrton an Saxofonen und Klarinette, Cecilia Persson an Klavier und Rhodes sowie Donovan von Martens am Kontrabass. Das Quartett verbindet textbezogene Musik mit einem offenen, beweglichen Zusammenspiel.

Was mich an diesem Abend besonders angesprochen hat, war das Nebeneinander dieser unterschiedlichen Formen. BRUK bot nicht einfach mehrere Konzerte hintereinander, sondern verschiedene Möglichkeiten, Musik und Kunst zu erleben.

Eine Hammondorgel – und meine erste Vinylplatte seit über 30 Jahren

Mein persönlicher Höhepunkt war Andreas Hellkvist an der Hammondorgel. Sein Projekt „Quadraphonic“ verbindet das Instrument mit vier Leslie-Lautsprechern zu einem räumlichen Klangerlebnis.

Mich hat das so fasziniert, dass ich anschließend meine erste Vinylplatte seit über 30 Jahren gekauft habe. Das war eine unerwartete Folge dieses Abends – und vielleicht die schönste Art, etwas davon mit nach Hause zu nehmen.

Zum Tanzen reichte die Energie nicht mehr

Nach BRUK ging das Byafest im Mustadfors Folkets Hus weiter. Dort waren Rockmusik, elektronische Musik, DJ, Bar und Tanz als Abschluss des Tages angekündigt.

Ich war inzwischen allerdings zu schlapp, um mich auch noch auf die Tanzfläche zu stürzen. Nach unserem eigenen Programm im Studio, dem Rundgang und dem Festival war für mich genug passiert. Das Folkets Hus musste diesmal ohne mich feiern.

Es war ein schöner und inspirierender Tag – so, wie ich das Byafest jedes Jahr erlebe. Besonders gefreut hat mich die Verbindung aus eigener Beteiligung und neuen Eindrücken: erst Menschen im Dalslands Studio willkommen heißen, dann selbst unterwegs sein und am Abend Musik entdecken, die mich noch ein Stück weiter begleitet.


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