Dalslands Studio Blog

Ein Dorf wird zur Festkarte – ÖA Loppis und Byafest

Am 12. September findet das vierte Dals Långeds Byafest statt. Für einen Tag wird der Ort nicht von einem zentralen Festivalgelände aus gedacht, sondern als Karte vieler kleiner und großer Aktivitäten: offene Häuser, Musik, Essen, Flohmärkte, Werkstätten, Spaziergänge, Kunst, Gespräche und Dinge, die man sonst vielleicht nie bemerkt hätte.

Für mich ist es nun das dritte Byafest, das ich hier mitfeiere. Was ich toll finde ist das man nicht einfach eine Veranstaltung besucht. Man bewegt sich durch Dals Långed, kommt über Wege und Brücken, schaut in Höfe, Räume und Gärten hinein, trifft Menschen, die etwas vorbereitet haben, und entdeckt, dass ein Ort sehr viel mehr ist als seine Hauptstraße oder die Gebäude, die man täglich sieht. Außerdem gibt es dem Dalsland Studio die Gelegenheit sich selbst vorzustellen und Menschen aus Dals Langed einen kleinen Blick in unsere Arbeit und unser Gebäude werfen zu lassen.

Die gemeinsame Google-Karte gehört deshalb nicht nur zur Organisation. Sie macht sichtbar, wie sich Dals Långed an diesem Tag verteilt und zugleich verbindet. Jede Markierung steht für eine Idee, eine Initiative, einen Verein, ein Geschäft, eine Gruppe von Nachbarinnen und Nachbarn oder für Menschen, die für ein paar Stunden ihre Tür öffnen. Das Programm ist nicht von oben zusammengestellt, sondern entsteht aus vielen einzelnen Beiträgen.

Byafest: von Einwohnern, für Einwohner

Das Dals Långeds Byafest begann 2023 auf Initiative von Studio Växt. Das Team übernahm damals die Projektleitung, entwickelte gemeinsam mit anderen Beteiligten das Programm und schuf ein Festivalareal zwischen Studio Växt und dem Folkets Hus Mustadfors.

Schon das erste Byafest folgte einer einfachen, aber weitreichenden Idee: Alle können etwas beitragen. Essen, Theater, Flohmarkt, offene Ateliers, Verkauf, Workshops, Musik oder Führungen – was während des Tages geschieht, hängt davon ab, was Menschen im Ort selbst organisieren möchten. Wer einen Programmpunkt anmeldet, übernimmt auch Verantwortung dafür. Die Byafest ist damit kein fertig geliefertes Kulturangebot, sondern ein gemeinschaftlich hergestellter Tag.

Nachdem wir unseren für den 29. August geplanten Inselflohmarkt (ÖA-Loppis) wegen schlechten Wetter verschieben mussten, haben wir entschieden uns in diesem Jahr mit dem ÖA-Loppis am Byafest zu beteiligen. Von 11.00 bis 14.00 Uhr wird der Fabriksvägen zum Ort für Flohmarkt, Bücher, Kaffee und Musik.

Ein Loppis ist mehr als ein Markt für gebrauchte Gegenstände. Er ist eine besondere Form lokaler Zirkulation. Dinge wechseln den Besitz, ohne neu produziert werden zu müssen. Eine Lampe, ein Werkzeug, Geschirr, Stoffe, Bilderrahmen oder ein Gegenstand, dessen ursprüngliche Funktion niemand mehr genau kennt, kann in einem anderen Haushalt wieder nützlich werden.

Man findet natürlich nicht immer das, wonach man gesucht hat. Gerade das ist Teil des Reizes. Loppis bedeutet, etwas zu finden, das man vorher nicht gesucht hat – oder sich von einem Gegenstand an eine Möglichkeit erinnern zu lassen.

Für einen Ort wie Dals Långed, in dem viele Menschen handwerklich arbeiten, renovieren, gestalten, sammeln und reparieren, gehört diese Praxis fast selbstverständlich zum Alltag.

Das Steneby Antikvariat unserer Nachbarin Lena ergänzt den Flohmarkt auf eine andere Weise. Bücher sind ebenfalls gebrauchte Dinge, aber sie tragen ihre früheren Leserinnen und Leser oft noch mit sich: durch Widmungen, Notizen, alte Preiszettel, vergessene Lesezeichen oder einfach durch die Geschichte, dass ein Buch über Jahre in einem Regal stand, bevor es wieder auftaucht.

Musik im Dalslands Studio

Im Dalslands Studio gibt es während des ÖA-Loppis Kaffee, Gebäck und Musik einer Ukulele Band, die auch letztes Jahr dabei war. Die Ukulele ist ein bescheidenes Instrument: klein, leicht zu tragen, nicht besonders laut. Gerade deshalb passt sie gut zu diesem Rahmen. Sie verlangt keine große Bühne, sondern schafft Nähe. Musik kann in einem Raum entstehen, in dem Menschen Kaffee trinken, miteinander reden, sich für Fundstücke interessieren und zwischendurch stehen bleiben, um zuzuhören.

Für uns im Dalslands Studio bedeutet die Teilnahme auch, den eigenen Ort zu öffnen. Während des Byafest wird es für einige Stunden zu einem öffentlichen Wohnzimmer: mit Fika, Gebäck, Musik und Zeit für Gespräche.

BRUK 2026: Klang im alten Werk

Am Abend des 12. September öffnet BRUK 2026 im Långedsverken, der alten Fabrik neben dem Dalslands Studio, für eine besondere Kunst- und Musikerfahrung.

Die experimentelle, spartenübergreifende Veranstaltung verbindet Ausstellung, Performance und Konzert in der alten Industrieumgebung – nicht als Abfolge klar getrennter Programmpunkte, sondern als gemeinsames atmosphärisches Ereignis, bei dem das Publikum den Abend durch die Räume und Klänge hindurch erlebt.

Im Zentrum steht diesmal auch Andreas Hellkvists Quadrophonic: ein räumliches Werk für Hammondorgel und vier im Quadrat aufgestellte Leslie-Kabinette, deren rotierende Lautsprecher einen beweglichen, „wabernden“ Klang erzeugen. Die alte Werkhalle wird dabei selbst zum Teil des Instruments. Nach dem ÖA-Loppis und der Byafest am Tag führt BRUK die Idee weiter, dass die ehemaligen Industriegebäude von Dals Långed nicht nur an vergangene Produktion erinnern, sondern Räume für neue Formen von Kunst, Klang und gemeinsamer Erfahrung bleiben können.