Dalslands Studio Blog

Canasta mit Steinen – ein Spiel, eine Erinnerung

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Was macht man eigentlich, wenn Freunde zu Besuch kommen und die Sommerabende so lang werden, dass die Dämmerung sich gar nicht recht entscheiden kann? Bei uns im Dalslands Studio landet man an solchen Abenden fast zwangsläufig am Spieltisch – mal mit einem neuen Spiel, das gerade jemand mitgebracht hat, mal mit einem alten Bekannten. Eines der ältesten und liebsten ist bei uns Canasta – allerdings nicht mit Karten, sondern mit Spielsteinen.

Ein Kartenspiel, das zum Weltphänomen wurde

Canasta selbst ist noch gar nicht so alt: Erfunden wurde es 1939 im Jockey Club von Montevideo, Uruguay, von dem Rechtsanwalt Segundo Santos und seinem Bridge-Partner, dem Architekten Alberto Serrato – als schnellere, weniger zufallsabhängige Alternative zu Bridge und Rommé. Den Namen verdankt es einem geliehenen Körbchen für die Spielkarten – Canastillo, verkürzt zu Canasta, spanisch für Korb. Von Uruguay aus eroberte es Argentinien, dann Nordamerika, und in den 1950er Jahren verdrängte es in den USA sogar kurzzeitig Bridge als beliebtestes Kartenspiel überhaupt. Die meisten kennen es entsprechend als Kartenspiel für vier Personen in zwei Partnerschaften.

Weniger bekannt ist, dass es Canasta auch als Steinspiel gibt – eine Variante, die eng mit einer anderen, verwandten Erfindung zusammenhängt: Rummikub. Das wurde in den 1930er Jahren vom rumänischen Kaufmann Ephraim Hertzano entwickelt, der auf diese Weise ein damaliges Kartenspielverbot umging – er ersetzte die Karten kurzerhand durch Spielsteine mit farbigen Zahlen, anfangs sogar aus dem recycelten Plexiglas eines alten Flugzeugs gefertigt. Aus dieser Familie von Steinspielen stammt auch die Canasta-Variante, die man mit Spielsteinen statt Karten spielt – gleiche Meldungen, gleiche Taktik, nur eben aus Ton, Holz oder Kunststoff statt Papier.

Von Heinz gelernt

Unsere eigenen Spielsteine haben eine besondere Geschichte: Wir haben sie von Heinz geerbt, einem guten Freund, der 1997 an den Folgen von AIDS gestorben ist. Heinz stammte aus einer Familie der Siebenbürger Sachsen – jener deutschsprachigen Minderheit, die seit dem 12. Jahrhundert in Siebenbürgen (Transsilvanien) im heutigen Rumänien lebte, gerufen von König Geysa II. als Siedler und Grenzwächter, und die über 800 Jahre lang eine eigene Sprache, eigene Rechte und eine eigene Kultur bewahrte, bevor die meisten ihrer Nachfahren – besonders nach 1989 – nach Deutschland zurückkehrten. Von den einst rund 300.000 Siebenbürger Sachsen in Rumänien leben heute nur noch etwa 13.000 bis 16.000 dort – der Rest lebt verstreut, vor allem in Deutschland, und trägt seine Bräuche in Koffern, Erzählungen und eben auch in Spielsteinen weiter.

Von Heinz und seinen Verwandten und Freunden haben wir das Canasta-Spielen mit Steinen gelernt – eine kleine, private Weitergabe eines Familienbrauchs, die uns all die Jahre über als Steinbeutel und als Erinnerung erhalten geblieben ist. Wenn wir heute Abend für Abend mit unseren Gästen am Tisch sitzen, die Steine mischen und ordnen, Meldungen legen und Canastas bilden, ist Heinz auf eine leise, selbstverständliche Weise immer mit dabei.

Ein Sommerabend am Spieltisch

Es ist genau diese Mischung, die einen Sommerabend im Dalslands Studio ausmacht: ein Spiel mit langer, wandernder Geschichte – von Montevideo über Rumänien bis in unseren Innenhof –, getragen von der Erinnerung an einen Freund. Wer möchte, lernt bei uns gerne das Steine-Canasta; wer lieber ein neues Spiel ausprobiert, findet bei uns auch dafür immer einen Platz am Tisch. Gleichzeitig ist Hajo mit unserem Freund Heinz bei diesem Spiel auch immer anwesend.