Das Dalslands-Studio befindet sich in Dals Långed, auf einer kleinen Insel zwischen dem Fluss und dem Kanal, der über mehrere Schleusen das Wasserkraftwerk umgeht, dass sich ebenfalls auf der Insel befindet.

Der Kanal befindet sich direkt im Anschluss an unserem Garten; der Weg führt auch zu der nur etwa 100 Meter entfernten Bade- und Bootsanlegestelle am Fluss.
Das Haus ist ein zweigeschossiges Holzhaus aus dem 19. Jahrhundert und wird mit mehreren Kaminen über zwei Schornsteine beheizt, die die Wärme im Haus verteilen.

Für Warmwasser und um heutige Ansprüche an Innentemperaturen zu befriedigen, gibt es zusätzlich eine elektrisch betriebene Heizungsanlage.
Das obere Stockwerk besteht aus einem großen Gemeinschaftsraum, einem Badezimmer und vier großzügigen Zweibettzimmern. Das Erdgeschoss ist in eine in sich fast abgeschlossene Dreizimmerwohnung mit Küche und Bad und in einen Wohnungsteil mit drei Zimmern, die mit weiten Türöffnungen zu einem Bereich verbunden sind, und einem weiteren Badezimmer.
Zum Haus gehört eine große zweigeschossige Scheune, deren oberes Geschoss zu einem großen Veranstaltungsraum ausgebaut ist – unserem Studio.




Im Untergeschoss befinden sich eine Reihe von Lagerräumen. Weiterhin gehört dazu ein eingeschossiges langezogenes Gebäude, das eine Einzimmerwohnung, eine Werkstatt und fünf kleine Lagerräume beinhaltet, nebst einem mit Holz beheizten und Kanalwasser befülltem kleinen Badebecken.
Der Garten ist von drei Seiten mit diesen drei Gebäuden und von der vierten mit einer Reihe von Bäumen und Büschen eingerahmt.
Dalslands Studio und die Gründer


Hintergrund Andreas
Andreas ist promovierter Soziologe und hat Erfahrungen als Wissenschaftler, Programverantwortlicher und Betriebsrat in einer internationalen Organisation sammeln können.

Er interessiert sich sehr für Industriegeschichte, Geschichte der Arbeit und verwandte Themenfelder. Damit hat er sich als Doktor der Soziologie viele Jahre lang auseinandergesetzt und möchte jetzt sein Wissen und seine Erfahrungen mit anderen teilen.
Andreas ist auch in Visual Recording ausgebildet. Dabei werden die Inhalte und Diskussionen in den Seminaren graphisch gedeutet und festgehalten.
Durch das zur Sprache komplementäre Medium Bild eröffnen sich dabei neue Perspektiven; die entstandene Graphik ist sowohl Anlass als auch ein Medium, die Veranstaltung Revue passieren zu lassen.
Hintergrund Hajo (im Memoriam 1963 – 2025)
Es gibt drei Themenbereiche, die Hajo durch sein Leben bis zu seinem frühen Tod im Mai 2025 begleiteten:
Das erste ist die Frage nach dem, was er (und vermutlich auch andere Lebewesen) als Welt wahrnehmen, wie sich Wirklichkeit in der Wahrnehmung manifestiert. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Erfahrung, als autistischer Mensch in zwei grundsätzlich verschiedenen Wahrnehmungen und damit auch Welten verwurzelt zu sein.
Vertieft hat er dies durch ein Studium der Mathematik und einer jahrzehntelangen intensiven Beschäftigung mit buddhistischen Lehren, Platon, Wissenschaftsphilosophie und -geschichte, sowie mit Psychologie, insbesondere auch mit Jacques Lacan und anderen strukturalistischen Denkern (alle männlich :-/). Insbesondere aber auch durch seine Beschäftigung mit vielen hundert autistischen Menschen, mit denen er zusammen auf Entdeckungsreise ging, was das eigene Denken und Wahrnehmen angeht.
Das zweite ist sein Interesse an Menschen, insbesondere denen, die in Hinblick auf ihre Art und Weise wahrzunehmen und zu denken nicht zum „Mainstream“ heutiger Gesellschaften passen. Er hat annähernd zehn Jahre lang in der Behindertenhilfe gearbeitet mit einem Schwerpunkt auf schwerst-mehrfach behinderte Menschen und hat dabei viel über menschliches Wahrnehmen und Denken, sowie auch Kommunikation gelernt. Kurz nach der Jahrtausendwende begann er, sich in der Selbsthilfe autistischer Menschen zu engagieren und hat zusammen mit anderen autistischen Menschen das Thema „autistische Fähigkeiten“ sozusagen vorangebracht. Er hat am Fachbereich Rehabilitationspädagogik der Uni Halle-Wittenberg eine Dissertation über Autismus aus einer lebensweltlichen Perspektive geschrieben: Autistisches Erleben.

Als drittes Thema ist sein Interesse an Kunst, insbesondere der Malerei – aber auch am Schreiben – zu nennen. In der Malerei fasziniert ihn die Kommunikation mit einer physikalischen Welt, seien es verschiedene Materialien, etwa Wasser, oder Medien wie etwa Pinsel, Federn oder andere Relikte. Am Schreiben fasziniert ihn die Biographiearbeit, die er damit in Gang setzen kann. Die Sprache ermöglicht eine Fülle von Reflexionen an verschiedenen Geschichten der eigenen Biographie und die Buchstaben verwandeln sich im Text auf wunderbare Weise in Spiegel, in denen er sich in unterschiedlichen Zeiten und sogar in alternativen Wirklichkeiten widerspiegeln kann.
Dalslands Studio und die Umgebung
Hajo & AndreasDas Dalsland als schwedische Region haben wir im Sommer 2011 bei unserer Hochzeitsreise kennengelernt und sind seitdem immer wieder dort gewesen.
Es liegt nördlich von Göteborg zwischen dem Vänern und der Grenze zu Norwegen, ist fast eineinhalb mal so groß wie das Saarland und mit knapp 50000 Einwohnern sehr dünn besiedelt. Es ist eine etwas vergessene Region in Schweden abseits der großen Verbindungswege. Die mit Abstand größte Stadt ist mit knapp 10000 Einwohnern ist Åmål (bekannt durch den Film ”Fucking Åmål”), die nächst größeren Orte haben deutlich weniger als 5000 Einwohner. Touristisch ist das Dalsland bekannt wegen seiner vielen Seen und der weitläufigen Wälder; es ist vom europäischen Festland aus gut erreichbar.
Dals Långed gehört mit fast 1500 Einwohnern zu den größeren Orten im Dalsland. Es liegt am Upperudsälven, durch den auch der in den 1860er Jahren gebaute Dalslandskanal führt.

Der Ort hat eine für diese Gegend nicht untypische Geschichte und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Sägewerk und Mühle gegründet. Aus dieser Zeit stammt auch das Haus, das wir dort erworben haben.
Die nachfolgende Papierindustrie gibt es dort inzwischen nicht mehr; dafür ein Ableger der Göteborger Hochschule für Kunst und Kunsthandwerk. In einem Ortsteil, Steneby, befindet sich ein Zentrum des Dalslands-Tourismus, das Dalslands Aktiviteter. Dort befinden sich ein Elchpark, ein Restaurant und Café, ein Wildfleisch-Handel, ein Hochseilgarten, die „jättegrytor“, von eiszeitlichen Wasserfällen ausgewaschene Halbkugeln im Fels mit bis zu 7 Meter Durchmesser und mehr.
Im Dalslandskanal fahren im Sommer einmal täglich Tourismusschiffe in jede Richtung, zwischen Bengstfors und Håverud, wo sich ein einmaliges Aquädukt befindet, ein Kanal, der als Brücke über einem Wasserfall gebaut ist. Dort sind an einer Stelle eine Schiffs-, eine Bahn- und eine Autobrücke übereinander. Die Tour mit dem Schiff und zurück mit einem Schienenbus ist eine Tagesveranstaltung und führt direkt an unserem Dalslands-Studio vorbei.

